Warum es jetzt wichtig ist, besser im Verhandeln zu werden

Druck in Preisverhandlungen – Zeit, Marge, Entscheidung

Warum es JETZT (wieder) wichtig ist, besser im Verhandeln zu werden

Für Vertriebsleitung & Geschäftsführung: Preisverhandlung ist kein „Soft Skill“. Es ist der unterschätzteste Profit-Hebel im B2B – gerade dann, wenn Märkte stabiler wirken und der Einkauf professioneller wird.
Wer bei „zu teuer“ in die Defensive geht, verhandelt nicht – er verteidigt sich.
Und Verteidigung ist im Einkaufssystem eine Einladung: „Da ist offenbar Spielraum.“
Die Marktlage 2025/2026: Nicht chaotisch – aber gnadenlos
  • Inflation ist nicht „weg“, sie ist nur wieder näher am Zielkorridor: Deutschland lag zuletzt um ~2–3% p.a. (je nach Monat). Das klingt harmlos – frisst aber Marge, wenn die Preis-Modelle starr sind.
  • Supply Chain-Druck ist vielerorts normalisiert – damit verschwindet die Entschuldigung „ging nicht anders“. Jetzt wird wieder härter verglichen, rationaler eingekauft, schneller gesourct.
  • Professionalisierung im Einkauf + Buying-Center-Logik: selbst wenn dein Ansprechpartner „nett“ ist – das System dahinter optimiert Kosten, Risiko, Governance.
Quellenhinweis: Inflationsdaten (Destatis/ECB) & Supply-Chain-Index (NY Fed).
Der unterschätzte Hebel: Preis wirkt stärker auf Profit als fast alles andere
Viele Teams investieren Monate in „mehr Leads“ oder „mehr Output“ – und lassen gleichzeitig bei jeder Verlängerung, jeder Jahresrunde und jedem Claim still Profit liegen. Studien/Analysen zeigen seit Jahrzehnten: kleine Preisänderungen haben überproportionale Gewinnwirkung. McKinsey nennt als typische Größenordnung: 1% Preis runter = ca. 8% Operating Profit runter (bei sonst gleichen Bedingungen).
(Das ist genau der Grund, warum Einkauf so hart auf Preis trainiert.)
30-Sekunden-ROI: Was bringt 1% Preis in deiner Realität?
Faustformel
Zusätzlicher Gewinn ≈ Umsatz × Preissteigerung%
(wenn Kosten kurzfristig weitgehend konstant bleiben)
Beispiel
Umsatz 30 Mio. €
+1% Preis = +300.000 € Gewinn (vereinfacht gerechnet)
Das ist oft: ein kompletter zusätzlicher Vertriebsmitarbeiter – ohne einen einzigen neuen Lead.
Wenn du einen ROI-Rechner auf deiner Seite hast: verlinke ihn hier (oder sag mir die URL, dann baue ich ihn sauber ein).
3 typische B2B-Szenarien – und was „besser verhandeln“ dort wirklich heißt
1) Jahresgespräch / Preisrunde
  • Der Einkauf will „Marktangleichung“ – ohne Kriterien.
  • Du bringst Struktur rein: Kriterien, Alternativen, Scope – und forderst Gegenleistung.
  • Ergebnis: weniger Rabatt, mehr Paket-Logik (Volumen, Laufzeit, Forecast, Zahlungsziel).
2) Claim / Eskalation
  • Der Ton wird hart, Zeitdruck kommt ins Spiel.
  • Du trennst Emotion von System: Fakten, Verantwortlichkeiten, Eskalationspfad.
  • Ergebnis: weniger „Schuld-Debatte“, mehr lösungsfähige Vereinbarungen.
3) Rahmenvertrag / Konditionen
  • Preis ist nur der sichtbare Teil. Der Profit steckt in Konditionen.
  • Du verhandelst Governance: Indexlogik, Change-Prozess, Mindermengen, Liefer-/Abruf-Logik.
  • Ergebnis: weniger Überraschungen – und profitablere „Normalfälle“.
Mini-Beweis (für Entscheider, die keine Lust auf „Motivationsgelaber“ haben)
  • Verhandeln ist trainierbar – wie ein Prozess, nicht wie ein Talent.
  • Die größten Hebel kommen selten aus „noch einem Satz“, sondern aus Setup: Rollen, Agenda, Konzessionen, Commitments.
  • Wenn du Preis erst am Ende „diskutierst“, hast du vorher keine Entscheidung gebaut – und zahlst später mit Rabatt.
7 Denkachsen für Vertriebsleitung & Geschäftsführung
  1. Preis ist ein Ergebnis, kein Thema. Das Thema heißt: Wert, Risiko, Entscheidungskriterien.
  2. Kein Nachlass ohne Gegenleistung. Sonst erziehst du den Einkauf auf „mehr“.
  3. Verhandeln ist Buying-Center-Management. Nicht „eine Person überzeugen“, sondern „ein System bewegen“.
  4. Tempo ist Macht. Wer beschleunigt, will dich aus Struktur drücken.
  5. Scope schlägt Rabatt. Wenn Preis attackiert wird: Optionen, Pakete, Leistungsumfang.
  6. Commitments vor Konditionen. Erst Entscheidungspunkte, dann Zahlen.
  7. Training braucht Wiederholung. Ein Workshop ohne Transfer-Routine ist Unterhaltung.
Wenn du in 60 Sekunden testen willst, ob du verhandelst oder nur reagierst …
… dann vergiss „Rhetorik“ und schau auf Struktur.
Verhandlung beginnt nicht beim Preis, sondern beim Setup.
Wenn du keinen Plan für Konzessionen hast, wirst du spontan nachgeben.
Wenn du keine Commitments führst, bekommst du „wir melden uns“.
Und wenn du keine Gegenleistung forderst, finanzierst du die Einkaufserfolge anderer.
3 knallharte Diagnosefragen
  1. Welche Gegenleistung hast du beim letzten Preisnachlass konkret eingefordert – schriftlich?
  2. Wusstest du vor dem Gespräch, wo deine rote Linie liegt – oder hast du sie „gefühlt“?
  3. Hast du ein Commitment bekommen (nächster Schritt, Termin, Entscheidungspunkt) – oder nur ein freundliches Ende?
Wenn du das als Teamstandard aufbauen willst (statt „Einzelkämpfer-Können“):
Du willst „warm“ starten? Dann nimm erst mal ein Training/Impulsformat – und baue danach den Prozess.
Tipp zum Vertiefen: Verhandlungsfilme  |  Verhandlungsbücher

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